Erkan Dinar

Wir brauchen den Zuzug von Pflegekräften!

Wir brauchen den Zuzug von Pflegekräften!

Der Pflegenotstand in Deutschland verschärft sich nicht nur wegen der Pandemie. Knapp 40 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege sind über 50 Jahre alt. Dazu kommt auch noch, zwei Drittel der Kolleginnen und Kollegen arbeiten nur noch in Teilzeit. Der Schlüssel zur Nachwuchsgewinnung liegt natürlich in einer Erhöhung der Löhne sowie auch in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Doch diese Maßnahmen werden nicht ausreichen.

Jeder zweite Deutsche ist heute bereits älter als 45. Der Anteil der Seniorinnen und Senioren in Deutschland wird immer größer und daran wird auch die Zuwanderung vom europäischen Ausland sowie Migration wegen Flucht nichts ändern. Wir brauchen deshalb dringend den zusätzlichen Zuzug von qualifizierten Pflegekräften aus dem nicht-europäischen Ausland. Auch da die derzeitige Arbeitsmigration aus dem europäischen Ausland die Nachfrage nach Fachkräften in Deutschland nicht mehr abdeckt sowie zu einem wachsenden Problem für die ost-europäischen Länder wird, in denen die Pflegekräfte derzeit überwiegend ausgebildet werden sowie herkommen.

Mit Mitteln der deutschen Entwicklungshilfe sollten Pflege-Schools in ausgewählten Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ geschaffen werden. Neben dem Erlernen von deutschen Sprachkenntnissen auf dem Niveau B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) könnte hier die Grundlagen von Pflegestandards in Deutschland interessierten Bewerberinnen und Bewerbern beigebracht werden. Um die Qualität der Sprachvermittlung könnten sich die weltweit bereits angesiedelten Goethe-Institute (158 Standorte in 98 Ländern) kümmern.

Nach Einreise in Deutschland mit einem Visum zum Absolvieren einer Berufsausbildung könnten die Bewerberinnen und Bewerber in zentrale Pflege-Ausbildungszentren mit Übergangsunterkünften, finanziert mit EU-Fördermitteln für Arbeit und Soziales, untergebracht werden. Pflegeeinrichtungen könnten sich hier aus dem Bewerber/innen-Pool ihre zukünftigen Fachkräfte akquirieren. Der Pflegemarkt in Deutschland würde sich mit dieser Maßnahme spürbar erholen.

Gleichzeitig würde die BRD zur Entwicklung einer Pflegebranche auf unseren Standards in Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ beitragen, denn nicht alle Bewerberinnen und Bewerber in den „Pflege-Schools“ würden sich am Ende für die weite Reise nach Europa entscheiden sowie bei zu vielen Bewerber/innen qualifizieren.

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